News Alle reden über Krankheiten, wir sprechen über das Rauchen.

Was wir wollen

Schluss mit dem Problem-Blick

Wozu der für viele Mediziner und Psychologen typische sorgenvolle Blick, wenn jemand mit dem Rauchen aufhört? Die meisten Ex-Raucherinnen und Ex-Raucher haben von einem Tag zum anderen mit dem Rauchen aufgehört – teilweise sogar ohne nennenswerte Entzugserscheinungen. Die DGNP versteht, dass die Folgen des Rauchens Anlass zur Besorgnis geben. Aber wenn jemand mit dem Rauchen aufhört, ist das ein freudiges Ereignis. Es besteht kein Grund zur Besorgnis, wenn jemand nicht länger täglich 4000 teils hoch giftige Chemikalien zu sich nimmt, sondern diesen schädlichen Einfluss stoppt. Problematisierung und Psychologisierung wirken hier schlimmstenfalls demotivierend auf den aufhörwilligen Raucher – und bestenfalls versteht der Aufhörwillige nicht, warum er plötzlich Gegenstand psychologischer Behandlung sein soll.

Die DGNP tritt dafür ein, das Nichtraucherwerden als positives Ereignis zu sehen, zu dem es keiner therapeutischen Intervention bedarf. Fast jeder kennt jemanden, der einfach so mit dem Rauchen aufgehört hat - ohne wochenlange Therapieprogramme. Diese Haltung vertritt die DGNP aufgrund ihres Wissens über Nikotin: Die Halbwertzeit des körperlichen Entzuges dauert zwölf Stunden - was Raucher wissen, da die erste Zigarette am Morgen oft nicht sehr gut schmeckt.

Wer sich allerdings einem psychologisierenden Programm unterwirft, kann durchaus auch nach Wochen noch das Gefühl haben, dass ihm etwas fehlt, obwohl er längst clean ist. Denn Sinn solcher Programme ist es unter anderem, sich die Bedeutung nicht gerauchter Zigaretten zu verdeutlichen und das Nichtrauchen zu thematisieren und zu problematisieren, anstatt zur Normalität als Nichtraucher überzugehen. Mit dem Rauchen aufhören ist aber tatsächlich meist nur eine Frage einer veränderten inneren Einstellung zum Rauchen sowie einer konsequenten Entscheidung zum Rauchstopp. Dieser Prozess findet häufig nur binnen Sekunden statt.

Auch in der Suchtprävention ist die sorgenvolle Brille kontraproduktiv. Kinder und Jugendliche spüren dadurch, dass es anscheinend um etwas „Problematisches“ und „Schwieriges“ geht – und wenn sie später als Raucher nicht glauben, dass sie mit dem nötigen Wissen und einer einfachen, klaren Entscheidung einfach aufhören können, ist das kein Wunder. Das derzeitige gedankliche Klima zum Thema Aufhören ist bestimmt von Druck und Versagensangst, und man mag sich die Frage stellen, wer im Endeffekt etwas davon hat.

Gerade im Umgang mit nicht rauchenden Kindern geht es daher darum, offen zu sein. Statt in einem wie in der Wissenschaftsszene üblichen Arzt-Patient-Gefälle zu kommunizieren, die Sorgenbrille aufzusetzen und mit Schwarzmalerei und Abschreckung zu arbeiten, ist es hier besonders wichtig, auf Augenhöhe die Wahrheit über das Rauchen zu vermitteln: Wie funktioniert es? Warum macht Rauchen nicht cool? Welche Nachteile bringt es mit sich, Raucher zu sein und regelmäßig Nikotin zu brauchen? Wie fühlt sich das an, wenn man dringend eine Zigarette braucht – ein Gefühl, das niemand haben will und das Raucher ständig wegrauchen müssen? Wie verändert sich das Denken? Wie schleichen sich Werbelügen der Tabakindustrie ins Alltagsempfinden? Warum glauben Raucher, Rauchen gehöre zur Pause, obwohl kein Nichtraucher in der Pause eine Zigarette braucht? Anstatt Kinder und Jugendliche im Kampf gegen das Rauchen mit Moralkeule zu ideologisieren oder ihnen mit potenziellen Krankheiten zu drohen, sollten wir ihnen das Rauchen schlicht erklären: Es ist dumm. Und wenn sie das verstehen, fangen sie nicht damit an.