News Alle reden über Krankheiten, wir sprechen über das Rauchen.

Was wir wollen

Paradigmenwechsel in der Prävention

Wir brauchen in der Kinder- und Jugendarbeit eine neue, wirkungsvolle Prävention. Bisherige Konzepte der Nikotinsuchtprophylaxe berücksichtigen drei Themen:

  • Sie klären über die Folgen des Rauchens auf und arbeiten zum Teil noch mit Abschreckung, obwohl negative Motivation heutzutage als gescheitert gilt; obwohl Kinder und Jugendliche sich kaum dafür interessieren, ob sie in Jahrzehnten krank werden könnten; und obwohl Risiko und Thrill eine Hauptmotivation sind, mit dem Rauchen anzufangen.
  • Sie basieren auf Rauchverboten, obwohl Verbote das Rauchen für Kinder spannend machen und obwohl Jugendliche, die aufhören wollen, keine Verbote brauchen.
  • Sie befassen sich allgemein gefasst mit der „Ich-Stärkung“ von Kindern und Jugendlichen, sollen das „Nein sagen“ fördern und zielen auf intakte Elternhäuser ab, damit Kinder erst gar keine Gründe haben, Drogen auszuprobieren. Und das, obwohl jugendliche Raucher auch aus intakten Familien kommen; obwohl Nikotin eine Droge ohne Rausch ist und daher ungeeignet, soziale Defizite zu verdecken; und obwohl die Gründe, mit dem Rauchen anzufangen, im Austesten von Grenzen liegen und selten etwas mit Lebenskrisen zu tun haben. Das Austesten von Grenzen gehört zur Pubertät und lässt sich auch durch intakte Elternhäuser und vorbildlichen Unterricht nicht verhindern.

Der wichtigste Ansatz fehlt hier bislang: Wer spricht anstelle über Nebenaspekte und Folgen über das Rauchen selbst? Wie funktioniert es? Wer sagt Kindern und Jugendlichen, dass Zigaretten zunächst scheußlich schmecken und dass sich das Gehirn erst durch quälende Übung ans Nikotin gewöhnen wird? Wer sagt ihnen, dass die Suchtfalle in dem Moment zuschlägt, in dem eine Zigarette erstmals scheinbar gut tut? Wer sagt ihnen, dass sie sich dadurch in einen Rhythmus begeben, in dem sie regelmäßig das Gefühl haben werden, dass ihnen etwas fehlt? Wer sagt ihnen, dass sie aufgrund des Nikotin-Intervalls bald regelmäßig rauchen müssen und sich das Denken durch Pawlowsche Konditionierungen ändert? Wer sagt ihnen, dass sie im Kern rauchen, weil ihnen als Nikotinabhängigen Nikotin fehlt, und dass Anlässe wie Pausen, Stress und Langeweile Illusionen sind? Wer sagt Kindern, dass es sich vor diesem Hintergrund nicht lohnen kann, diese Droge auszuprobieren? Wer sagt Kindern, dass uncoole Typen durchs Rauchen nicht cool werden? Wer sagt Kindern und Jugendlichen, dass Warnungen und Verbote das Rauchen spannend machen und dass darin eine der perfidesten Fallen der Tabakindustrie besteht, die die meisten Erwachsenen nicht erkennen? Und wer hilft rauchenden Kindern und Jugendlichen beim Aufhören?

Bisher gibt es kaum Lehrerinnen oder Lehrer, die ihre rauchenden Schüler davor warnen, dass sie nach einer Schulstunde aufgrund des zeitlichen Intervalls eine Zigarette brauchen – denn die Wirkungsweisen des Nikotins sind unter Pädagoginnen und Pädagogen häufig unbekannt, werden ignoriert oder mit unwesentlichen Nebenaspekten zu anderen Phänomenen aufgebauscht. Die Tabakindustrie kennt diese Mechanismen und gewinnt durch die herkömmlichen Ansätze der Prävention Zeit.

Ziel der DGNP ist es, diesen Paradigmenwechsel zu vollziehen.